Katzen zusammenführen – wenn zwei Fellnasen zusammenziehen

Jede Katze hat ihre eigene Persönlichkeit, wodurch die Zusammenführung von zwei oder mehr Katzen sehr herausfordernd werden kann. Wie schnell sich die zwei Fellnasen verstehen und entspannt miteinander umgehen, ist sehr unterschiedlich. Manchmal klappt es überraschend rasch, manchmal dauert es Wochen oder sogar Monate. Was fast immer hilft, ist ein gut vorbereiteter Start: ein durchdachtes Zuhause, klare Abläufe und ein Einzug, der möglichst wenig Stress erzeugt.

Vorbereitungen

Für die Zukunft und auch die Zusammenführung ist es besonders wichtig, dass beide Katzen zueinander passen. Nimm dir daher genügend Zeit für die Suche und Auswahl deines neuen Vierbeiners. Ein schüchternes Katzenbaby harmoniert oft besser mit einer ruhigen Seniorenkatze. Ein Stubentiger wird wahrscheinlich eine aktive Katze anstrengend finden und sich nicht mehr wohlfühlen. Ebenso spielen Geschlecht und Alter eine Rolle. Zwei unkastrierte Kater zusammenzuführen ist in vielen Fällen sehr schwierig, da das Konkurrenzverhalten schnell durchdringt. In den meisten anderen Kombinationen ist ein gutes Zusammenleben möglich. Wenn du dich für Geschwister entscheidest, ist das meist der einfachste Weg, weil sie sich seit Geburt kennen und gemeinsam aufgewachsen sind.

Bereits vor dem Einzug kannst du Vorbereitungen treffen, um den Start bestmöglich zu gestalten. Informiere dich beim bisherigen Zuhause des Tieres über seine Gewohnheiten, Verhalten und ebenso darüber, welches Futter oder Streu es gewohnt ist. Dadurch erleichterst du ihm das Ankommen und kannst typische Probleme wie Stress oder Unsauberkeit besser vorbeugen.

Zusätzlich ist ein eigener Raum für die zweite Katze sehr hilfreich. Gerade am Anfang unterstützt es die Zusammenführung, wenn beide Tiere zunächst getrennt sind und jedes in Ruhe ankommen kann. Jede Katze braucht

  • einen eigenen Fressplatz und eigenen Napf
  • einen eigenen Rückzugsort
  • Decken/Schlafplatz
  • Spielmöglichkeiten

Auch bei den Toiletten ist eine klare Aufteilung wichtig. Für jede Katze steht idealerweise eine eigene Toilette bereit, plus eine zusätzliche. Das bedeutet: Bei zwei Katzen sind drei Toiletten sinnvoll. Stell diese am besten erst kurz vor dem Einzug auf, damit sie nicht schon lange im Raum stehen und sich Gerüche vermischen bzw. das Kisterl nach der anderen Katze riecht.

Katze zieht ein

Dieser Tag ist für beide Katzen und für dich aufregend. Deshalb ist es wichtig, dass du selbst ruhig bleibst, weil sich deine Stimmung direkt auf die Tiere überträgt. Wenn die neue Katze kommt hilft es, die bereits wohnende Katze kurz zu beschäftigen oder abzulenken, während die neue Katze in ihr eigenes Zimmer einzieht. Die neue Katze lässt du am Anfang nicht komplett allein. Setz dich zu ihr, rede leise und ruhig und halte ein paar Leckerlis bereit, damit sie Vertrauen zu dir aufbaut. Gleichzeitig gilt: Gib ihr Freiraum und bleib geduldig. Jede Katze erkundet Neues anders. Manche kommen sofort aus dem Transportkorb, andere brauchen deutlich länger.

Nicht zu vergessen ist die andere Katze, da sonst Eifersucht droht. Stell also sicher, dass du mit ihr auch spielst, kuschelst und Zuneigung zeigst. Wenn du Kinder hast ist es wichtig, dass sie die neue Katze nicht zu sehr eingrenzen mit Berührungen, Hochheben, Nachlaufen. Erkläre, dass ein ruhiger, respektvoller Umgang entscheidend ist, damit die Katze Vertrauen fasst und nicht dauerhaft gestresst ist.

Indirektes Kennenlernen

Vor dem ersten Aufeinandertreffen kann es unterstützend sein, die Gerüche der Katzen auszutauschen. Das klappt zum Beispiel, indem du beide Tiere vorsichtig mit getrennten Handtüchern abrubbelst und diese dann tauschst. So lernen sie sich bereits kennen und gewöhnen sich daran. Zusätzlich kann es helfen, wenn beide Katzen durch eine geschlossene Tür „Kontakt“ haben. Sie hören und riechen einander, bleiben aber sicher getrennt.

Erstes Aufeinandertreffen

Beim ersten Aufeinandertreffen sollen sich beide Katzen beschnuppern und in Ruhe anschauen können. Fauchen und Knurren ist dabei völlig normal, weil die Tiere Grenzen klären und sich gegenseitig einschätzen. Positives Verhalten wie ein Nasenstupsen, neugieriges Schnuppern oder sich freundlich nähern soll belohnt werden. Auch Raufen kann vorkommen und gehört bei vielen Katzen zum Klären des späteren Ranggefüges. Das unterbrichst du nicht automatisch. Eingreifen solltest du dann, wenn eine Katze deutlich unterliegt, nicht mehr ausweichen kann, in einer Ecke feststeckt oder wirklich verprügelt wird. Spieleinheiten können die Einführung zusätzlich unterstützen, weil sie Spannung abbauen und eine positive Stimmung schaffen.

Patrick Tiefenbach

Expertentipp:

Das Zusammenführen funktioniert selten „einmal und dann ist alles gut“. Es kann sein, dass es mehrere Anläufe braucht. Bleib geduldig, gib beiden Katzen Raum und gleichzeitig ausreichend Aufmerksamkeit.